Automatisierung erobert e-mail: 93 % der nachrichten sind nicht von menschen
Eine erschreckende Zahl: Laut einem neuen Bericht von Hostinger sind nur 13 % aller E-Mails, die weltweit versendet werden, tatsächlich von Menschen geschrieben. Die restlichen 97 % sind das Werk von Algorithmen und Bots. Das hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Unternehmen kommunizieren.
E-mail: eine automatisierte infrastruktur
Der Analyse von einer Milliarde E-Mails über einen Monat zufolge sind 56 % der versendeten Nachrichten nicht einmal an den Empfänger gelangt. Phishing, Malware und Botnetze sind hierfür die Hauptursachen. „Die E-Mail hat sich still und heimlich zu einer Infrastruktur entwickelt, deren Großteil bereits automatisiert ist“, kommentiert Edgaras Lukosevicius, Engineering Manager bei Hostinger.
Von den 44 % der Nachrichten, die die Sicherheitsfilter überstanden haben, lassen sich verschiedene Absenderkategorien identifizieren. Unternehmens- und SaaS-Anbieter machen mit 22 % den größten Anteil aus, gefolgt von privaten E-Mail-Anbietern (20 %), Marketing- und Newsletter-Diensten (16 %) und sozialen Medien (15 %). Die verbleibenden 17 % stammen aus Bereichen wie E-Commerce, Finanzdienstleistungen, Medien, Jobangeboten und Reisen.
Während private E-Mail-Anbieter und Nutzer mit geringem Versandvolumen die einzigen Kategorien darstellen, die noch direkt von Menschen bedient werden, bedeutet dies lediglich 30 % aller zugestellten Nachrichten – also nur 13 % des gesamten E-Mail-Verkehrs. Der Rest, 87 %, ist rein automatisiert.

Phishing und schlechte reputation belasten die kommunikation
Die Gründe für die hohen Blockquoten sind besorgniserregend. Phishing, Malware und Botnetze verursachen 34 % der Ablehnungen. Darauf folgen verdächtiges Marketing (22 %) und Probleme mit der Domainkonfiguration (11 %). Doch die eigentliche Herausforderung für Unternehmen liegt in der sinkenden Zustellbarkeit. Eine schlechte Absenderreputation ist für 34 % der abgelehnten Nachrichten verantwortlich.
Die Konsequenz: Die Nutzer werden von einer Flut von Benachrichtigungen, Werbebotschaften und Warnmeldungen überflutet. Diese Überlastung führt zu einem deutlichen Rückgang des Engagements. Klicks und Interaktionen verlieren ihren Wert als aussagekräftige Metriken.
„Unternehmen optimieren weiterhin Metriken, die die Realität des Kanals nicht mehr widerspiegeln“, betont Lukosevicius. Die Frage ist nicht mehr, ob die E-Mail geöffnet wird, sondern ob der Empfänger sie überhaupt noch erhalten möchte. Die Zeit der einfachen Messbarkeit ist vorbei. Die Zukunft der E-Mail-Kommunikation erfordert eine radikale Neuausrichtung.
Die zunehmende Automatisierung der E-Mail-Kommunikation ist kein futuristisches Szenario mehr. Sie ist Realität – und wir müssen uns fragen, wie wir in einer Welt, in der die menschliche Interaktion immer weiter in den Hintergrund rückt, noch eine echte Verbindung zu unseren Kunden aufbauen können.
Die Zahl der automatisierten E-Mails wird weiter steigen; die Frage ist, ob wir uns anpassen können.
