Globale märkte im abwärtsstrudel: energiekrise verschärft unsicherheiten
Die Weltmärkte rutschen zum dritten Mal in Folge in die Spur eines Wochenrückgangs, der längsten seit einem Jahr. Während Staaten wie die USA und Israel versuchen, die Spannungen im Konflikt mit dem Iran zu entschärfen, sind Investoren besorgt über die Auswirkungen auf die Energiepreise. Die Angst vor einem Eskalationsszenario hat die Rohölkurse in die Höhe getrieben und die Versorgungssicherheit in vielen Ländern gefährdet.
Anhaltender abwärtstrend und geopolitische unsicherheit
Der MSCI All Country World Index verzeichnete in der vergangenen Woche einen Minus von 0,4 %. Auch am Freitag blieb die Stimmung gedrückt, da die Märkte auf das Auslaufen einer großen Anzahl von Optionen reagierten. Die europäischen Futures stiegen zwar um 0,7 %, nachdem die Tage zuvor von den Angriffen auf Energieanlagen im Nahen Osten geschockt worden waren. Die Sorge vor einer anhaltenden wirtschaftlichen Beeinträchtigung durch den Konflikt lastet schwer auf den Investoren.
Der Ölpreis ist nach dem Höchststand seit Juli 2022 auf rund 108 Dollar pro Barrel zurückgefallen. Israel versicherte, keine weiteren Angriffe auf Energieinfrastruktur zu starten, doch die Aussicht auf eine schnelle Lösung des Konflikts bleibt ungewiss. US-Präsident Donald Trump signalisierte ebenfalls keine militärische Intervention.
„Die lange Schatten der Energiekrise ist noch lange nicht verblasst“, kommentiert Hebe Chen von Vantage Global Prime. Die Unterbrechung der Energieversorgung hat zu einem drastischen Anstieg der Benzin- und Flugzeugtreibstoffpreise geführt und in Ländern wie Indien zu Gasknappheit geführt. Die Internationale Energieagentur bezeichnete den Konflikt als die größte Lieferunterbrechung in der Geschichte des Ölmarktes.
In Asien fiel der regionale Aktienindex ebenfalls um 0,4 %. Die Handelsaktivität war aufgrund von Feiertagen in Indonesien, Malaysia und den Philippinen gering. Die japanischen Märkte blieben geschlossen, was eine Handelung von US-Treasury-Anleihen im asiatischen Zeitzonenbereich verhinderte. Der Absturz der Aktien von Alibaba belastete den MSCI Asia Pacific Index besonders stark. Das chinesische Technologieunternehmen verlor in Hongkong 6,7 % nach enttäuschenden Umsatzzahlen im E-Commerce-Geschäft.
Der US-Dollar legte um 0,2 % zu, nachdem er zuvor um 0,7 % eingebrochen war. Die indische Rupie fiel auf ein neues Rekordtief gegenüber dem Dollar. Analysten erwarten, dass der Dollar auch am Wochenende an Wert gewinnen könnte. Die Unsicherheit über die Reaktion der Federal Reserve auf die Energiekrise und die anhaltende geopolitische Lage belasten die Märkte.
Die Inflationsrisiken haben die geldpolitischen Perspektiven der Zentralbanken weltweit erschwert. Anleger wetten verstärkt auf höhere Zinsen, was die Renditen australischer und neuseeländischer Staatsanleihen in die Höhe treibt. Auch der Europäische Zentralbank (EZB) unter der Leitung von Christine Lagarde wird eine Zinserhöhung im nächsten Monat in Betracht gezogen, sollte sich der Inflationsdruck verstärken. Die Bank of England erhöhte ihren Leitzins bereits um 31 Basispunkte auf 4,40 %, um eine weitere Eskalation der Inflation zu verhindern.
Die Aussicht auf Zinssenkungen in den USA im kommenden Jahr verschlechtert sich, was den Goldpreis, als traditionellen Fluchtwert, in die größte wöchentliche Delle seit sechs Jahren stürzt. Die USA versuchen, die Sanktionen gegen iranisches Öl zu lockern, um die Energiepreise zu senken. Doch selbst diese Maßnahme scheint derzeit nicht auszuräumen, was die Angst vor einer globalen Inflationskrise weiter anheizt. Die Welt steht vor einer ungewissen Zukunft, in der geopolitische Risiken und Energiepreise die wirtschaftliche Entwicklung maßgeblich beeinflussen werden.
