Spaniens verteidigungsindustrie boomt – aber nach qualifiziertem fachpersonal sucht

Die spanische Verteidigungsindustrie wächst rasant und bietet attraktive Job-Chancen mit hohen Gehältern. Das zeigt ein neuer Bericht, der von der Gewerkschaft UGT FICA vorgelegt wurde.

Über 80.000 euro jährlich: die medianetto im verteidigungssektor

Der mittlere Bruttogehalt in der spanischen Verteidigungsindustrie liegt nun über 80.000 Euro pro Jahr, wie das 'Diagnóstico del sector industrial de la defensa y seguridad en España' besagt. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Dienstleistungssektor.

Dieser boom setzt sich im Kontext der globalen Steigerung der Militärausgaben, der Suche nach strategischer Autonomie in Europa und der wachsenden Nachfrage nach spezialisierten Technologie-Professionals fort.

Von 36.000 direkt bis 51.000 indirekten arbeitsplätzen: der verteidigungssektor als großes industriepol in spanien

Von 36.000 direkt bis 51.000 indirekten arbeitsplätzen: der verteidigungssektor als großes industriepol in spanien

Der Verteidigungssektor erzielt nach Angaben im Bericht etwa 36.000 direkte und 37.000 indirekte Arbeitsplätze. In absoluten Zahlen kommen noch weitere 15.000 induzierte Stellen in Bereichen wie Aeronautik, Raumfahrt, Elektronik, Cyber-Verteidigung, Simulationen oder Satelliten-Systemen hinzu.

Zu den Akzenten im Bericht gehört auch die Befragung der Bevölkerung. 58 Prozent der Spanier befürworten einen Anstieg des Verteidigungshaushalts, 57 Prozent unterstützen ein freiwilliges Militärdienst.

Chancen und herausforderungen: der kampf um den besten fachkräften

Chancen und herausforderungen: der kampf um den besten fachkräften

Aber auch die Verteidigungsindustrie muss mit Herausforderungen konfrontiert werden. Insbesondere die hohe technologische Komplexität der Tätigkeiten im Verteidigungssektor, Aeronautik, Elektronik oder Simulation erzeugt eine steigende Nachfrage nach Profis mit hohen technischen Qualifikationen.

Spanische Unternehmen müssen sich im Wettbewerb mit großen europäischen Industriegrößen um den Zugang zu qualifizierten Ingenieuren, Digitalspezialisten und STEM-Professionals bemühen. Der Verteidigungssektor schätzt, dass bis 2030 etwa 350.000 Arbeitsplätze neu besetzt werden müssen, da sich viele Beschäftigte in den kommenden Jahren in den Ruhestand begeben werden.

Ein weiterer Aspekt ist die noch unterdurchschnittliche Frauenquote in dieser Branche. Im Vergleich zum Industriemetall in general, wo Frauen etwa 28 Prozent der Beschäftigten stellen, betrug die weibliche Präsenz im Verteidigungssektor im Berichtsjahr nur 20,6 Prozent.

Dennoch sieht das UGT FICA-Team auch Chancen für die Verteidigungsindustrie als Motor für die Reindustrialisierung Spaniens, insbesondere in Bereichen wie Technologie, strategischer Autonomie und hoheindustrielle Wertschöpfungsketten. 'Wir müssen jedoch sicherstellen, dass Spanien in der Lage ist, qualifizierte Fachkräfte zu bilden, anzuziehen und zu binden, die eine immer komplexere und strategischere Industrie benötigt', betonten die Autoren des Berichts.