Zwischen krieg und chips: der konflikt im nahen osten gefährdet globale lieferketten
Die Spannungen im Nahen Osten spitzen sich zu, und die Auswirkungen reichen weit über geopolitische Konflikte hinaus. Während die Welt den Eskalationskurs in der Region verfolgt, zeichnet sich ein besorgniserregendes Nebeneffekt ab: Kritische Infrastrukturen, die für die moderne Wirtschaft unerlässlich sind, geraten ins Visier. Ein Blick auf die Abhängigkeit von der Region zeigt, dass die Folgen des Konflikts weitreichender sind als zunächst angenommen.
Der schacht von hormus: ein kritischer engpass
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat vor den potenziellen Auswirkungen des Konflikts auf die Energieversorgung gewarnt. Der Schacht von Hormus, eine zentrale Wasserstraße, ist nicht nur für den Öl- und Gastransport von Bedeutung. Er ist auch ein vitaler Korridor für den Transport von industriell verarbeiteten Metallen wie Aluminium, Schwefelsäure (H₂SO₄) und den Rohstoffen, die für die Produktion von Kupfer, Nickel und Zink benötigt werden. Diese Metalle sind wiederum Grundlage für die Herstellung von Düngemitteln, die die globale Landwirtschaft ernähren, und spielen eine Rolle bei der Raffination von Öl. Die daraus resultierende Schwefelproduktion ist eng mit der Kupferverhüttung verbunden.
Doch die Bedrohung reicht noch tiefer. Die Nachfrage nach Kupfer, dem zentralen Metall für die Kühlung und den Stromfluss in Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI), steigt rasant. Die aktuelle Unsicherheit über die Verfügbarkeit dieses Rohstoffs verschärft die Lage. Bloomberg hatte bereits im Dezember vor einer wachsenden Nachfrage gewarnt, die durch Produktionsausfälle und Schwierigkeiten bei der Erweiterung bestehender Minen noch verstärkt wird. Die zunehmende Anzahl von KI-Rechenzentren hat diesen Druck weiter erhöht.

Helium-engpass: eine stille krise für die chip-produktion
Parallel zur Kupferkrise zeichnet sich eine weitere Bedrohung ab: Der Heliummangel. Helium ist ein essentieller Bestandteil bei der Herstellung von Mikrochips. Der Prozess ist komplex und erfordert die Verwendung von Helium als inertes Gas, das die Herstellung von Wafern ermöglicht. Die Produktion von Helium ist stark von der Erdgasförderung abhängig, was wiederum die Abhängigkeit von der Region um den Persischen Golf erhöht. Die Produktionsstopps von flüssigem Erdgas in Katar haben bereits etwa ein Drittel der weltweiten Heliumproduktion beeinträchtigt. Dies könnte die Chip-Fertigung erheblich stören, da es derzeit keine unmittelbaren Ersatzstoffe gibt, so Michael Deng von Bloomberg Intelligence.
Die Auswirkungen erstrecken sich dabei über die reine Chip-Produktion hinaus. Auch die Quantencomputer-Forschung und Weltraummissionen sind von der Heliumverfügbarkeit betroffen. Die potenziellen Folgen für die globale Wirtschaft sind immens, da die genannten Industrien eine zentrale Rolle in der modernen Zivilisation spielen.
Manuel Regueiro, Geologe bei geólogos, sieht jedoch auch Chancen: Er betont, dass die weltweiten Reserven an Kupfer ausreichend sind, doch die sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen erschweren die Gewinnung. Er verweist auf eine spanische Firma in Aragón, die ab 2028 mit der Förderung von natürlichem Helium beginnen will – ein bedeutender Schritt für die KI- und Chip-Produktion in Spanien. Allerdings sind solche Projekte langwierig, und die unmittelbaren Auswirkungen des Konflikts sind bereits spürbar.
Der Konflikt im Nahen Osten ist mehr als nur ein humanitäres Problem. Er ist ein kritischer Test für die globale Lieferketten und eine Mahnung, die Abhängigkeit von strategisch wichtigen Regionen und Rohstoffen zu überdenken. Die Konsequenzen für die technologische Entwicklung werden weitreichend sein.
Die Welt steht vor einer neuen Realität, in der geopolitische Ereignisse direkt die Grundlage unserer modernen Technologie bedrohen. Die Frage ist nicht, ob sich die Lieferketten verändern werden, sondern wie schnell und umfassend die Anpassung erfolgen kann.
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